Über die Erschöpfung

Chronic Fatique, Long Covid, Burnout, Fibromyalgie

 Isabel Wendt-Christodoulou

Isabel Wendt-Christodoulou

Immer wieder lese ich Artikelüberschriften wie diese: Die 7 Tipps und Tricks gegen Erschöpfung oder wie Sie die Falle „Erschöpfung“ meiden. Neugierig klicke ich solche Artikel an und staune über den Inhalt, da dieser entweder die eigenen Präparate aus dem Reich der Lebensmittelindustrie bewerben oder der Inhalt besteht aus einem „entspannten“ Lifestyle-Coaching.

Ernsthaft? Ein paar zufallsgestreute Vitaminpillen, ein willkürlicher Detox-Tee, ein Durchatmen in schöner Naturkulisse und ein paar Hochglanz-Rezepte reichen aus, um der „suggerierten Eigenfalle Erschöpfung“ zu entkommen? Können diese Maßnahmen wirklich fundierte Antworten auf Erschöpfung, Chronic Fatique, Burnout, Fibromyalgie oder Long Covid sein?

Meine Antwort ist definitiv ein NEIN !
Denn die Betroffenen erleben eine qualvolle Erkrankung mit starken körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Der Ursprung liegt aus meiner Sicht NICHT nur in der Psyche, sondern ist auch in der instabilen Regulations- und Anpassungsfähigkeit verankert.

In der Wissenschaft ist bekannt, dass emotionale Erlebnisse zu Verspannungen im Körper führen. Insbesondere schmerzhafte oder gar traumatische Erfahrungen führen zu einer erhöhten, verspannten Muskulatur. Daher bin ich davon überzeugt, dass starke, emotionale Erlebnisse nicht nur im Gedächtnis, sondern auch im muskulären System gespeichert werden.

Dauerhaft erhöhte Muskulatur führt zu einer Minderung der körperlichen Funktionalität, die mit einer Dysbalance des Energieverbrauches des gesamten Körpers einhergeht. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse gehen davon aus, dass bei chronischen Erschöpfungszuständen neben der Beeinträchtigung vom muskulären System die Regulation im neuroimmunologischen System beeinträchtigt ist.

Neuroimmunologisch beschreibt die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Nervensystem und Immunsystem. Wenn diese Wechselwirkung nicht mehr reibungslos abläuft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Mechanismen zu einer systemischen Belastungsintoleranz (SEID – systemic exertion intolerance disease) führen.

Die Grundlage der systemischen Belastungsintoleranz basiert auf einer permanenten Stimulation des vegetativen Nervensystems. Mit der Zeit entsteht daraus ein chronisches Ungleichgewicht von Sympathikus und Parasympathikus. Die Folge ist die Schwächung des Parasympathikus, der Schaltzentrale für Regeneration.

Aus dieser Inbalance des vegetativen Nervensystems entstehen Veränderungen in den chronobiologischen Kreisläufen, also in der abendliche Absenkung, in der erholsame REM-Schlafphase wie auch in der metabolischen Steuerung. Folgende erste körperliche Anzeichen entstehen, wie:

  • wahrnehmbare Schlafstörungen,
  • thermische Überhitzung: diffuses Schwitzen, meistens in der Nacht,
  • erhöhte Dauerspannung des muskulärem Systems,
  • Gefühl von Lähmung im Bereich der Leistungsanforderungen,
  • diffuse Schmerzen und Ziehen im Körper,
  • diffuse Ängste mit möglichem Gefühl der Brustenge,
  • Kurzatmigkeit mit erhöhtem Puls.

 

Schleichend verstärken sich verschiedene körperliche Zeichen. Das Körpersystem fährt sich allmählich fest. Angstzustände und depressive Verstimmungen nehmen mehr Raum ein. Das Gefühl von Leistungsminderung geht über in ein dauerhaftes Gefühl von Erschöpfung. Entspannung ist nicht mehr möglich und chorische Schmerzen entstehen. Die Hypersensibilität des Organismus nimmt zu.

Für eine erfolgreiche Behandlung von Erschöpfung wie bei Chonic Fatique, Fibromyalgie oder Long Covid bedarf es einer fundierten Diagnostik. Wichtig dabei ist nicht nur die schulmedizinische Differentialdiagnose wie auch die Abklärung von Komorbiditäten, also zusätzliche abgrenzbares Krankheitsbilder oder Syndrome, die am Ende des Artikels aufgelistet sind.

Sondern es bedarf insbesondere einer fundierten Diagnostik in der Regulationsfähigkeit, damit die Inbalance im muskulären- und neuroimmunologischen Systemen behandelt werden kann. Die Chinesische Medizin hat eine exzellente Regulationsdiagnostik, die ich gerne – je nach Bedarf – mit ausgereiften, sportmedizinischen Messsystemen kombiniere.

Die Diagnose ist richtungsweisend für die individuelle Therapie. Je nach Erkrankungsbild und Schweregrad binde ich Ärzte, Psychiater, Kliniken oder Einrichtungen aus meinem Netzwerk in die Behandlung ein.

Individuell gehe ich den Weg mit meinen PatientInnen.

Die Bausteine der angewendeten Medizin und Therapien in meiner Praxis:

Chinesische Medizin
Chinesische Medizin ist ein ganzheitliches und sehr effektives Heilsystem, das nebenwirkungsfrei bzw. nebenwirkungsarm ist. Sie erfasst unter Einbeziehung aller inneren und äußeren Einflussfaktoren den ganzheitlichen Gesundheitsstatus und beschreibt das funktionelle Zustandsbild des Krankheitsgeschehens, wonach praktische, lebensnahe Lösungsansätze abgeleitet werden.

Aus der umfassenden funktionellen Diagnose ergibt sich eine individuell angepasste, ganzheitliche Therapie, die immer eine Gesamtlösung aus Verfahren der Akupunktur, manuellen Therapie (Tuina), Kräuterheilkunde, des Qigong’s und einer auf den Gesundheitszustand abgestimmten Ernährung und Lebensweise ist.

Ein wesentlicher Aspekt der Chinesischen Medizin ist es, oft nicht beachtete Beschwerden wahrzunehmen und sie in einen Gesamtkontext zu sehen, um so das Entstehen von schwereren Erkrankungen zu verhindern.

Passive Bewegungseinheiten
Passive Bewegungseinheiten in Kombination mit körpertherapeutischer Berührung in Form von Massage, Dehnung und Akupunktur können mechanische Schutzreaktionen gelöst und positiv verändert werden. Die innere Bewegtheit kann sich beruhigen und Körper & Seele können ihren Einklang finden.

Nonverbale Verfahren
Qigong, Bewegungstherapie, Meditationen und bewusstes Innehalten bieten mit der Körperwahrnehmung und der Achtsamkeit hervorragende Möglichkeiten, Unbewusstes dem bewussten Erleben zugänglich werden zu lassen. Damit einhergehend können sich Selbststeuerungen und Regulationen entfalten sowie auch neu ausrichten.

Therapeutische Gespräch
Das therapeutische Gespräch verschafft Orientierung über wirkende Konflikte, Konstellationen oder Herausforderungen. Es dient dem Ordnen und Verstehen – von Gefühlen und Lebenszusammenhängen und trägt in sich die heilsame Möglichkeit der selbst – mitfühlenden Anerkennung und der klaren Entscheidung für gesunde Veränderungen.

Art und Anwendung der Behandlung
Die Diagnose ist richtungsweisend für die Art und Anwendung der Behandlung. Die Behandlung wird gemeinsam mit Ihnen so festgelegt, dass sie selbstverständlich mit Ihrer beruflichen und privaten Situation in Einklang steht. Das Spektrum der Diagnostik und Behandlung umfasst: Erst-Diagnostik auf der Basis der Chinesischen Medizin, ambulante Kurz– und Langzeittherapie, Übergangsbehandlung vor und/oder nach stationärer oder teilstationärer Behandlung, ausführliche Beratung auch für Paare und Familien, Beratung zu Präventionsmaßnahmen.

Von Herzen wünsche ich Ihnen alles Gute!

Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie Fragen haben: info@medosophos.de

Und denken Sie daran:

Egal, ob gesund oder krank,
Schulmedizin oder Alternativmedizin,
ich bin davon überzeugt:
Im Leben kommt es auf die Gefährten an.

In diesem Sinne freue ich mich, dass sich unsere Wege gekreuzt haben und wir möglicherweise ein Stück Lebensweg gemeinsam gehen.

Herzlichen Gruß

Isabel Wendt-Christodoulou

Anlage:

Abklärung von Komorbiditäten (Abklärung von abgrenzbaren Krankheitsbildern)

Wichtige Differentialdiagnosen:

Rheumatologie Endokrinologie/ Gynäkologie Hämato/ Onkologie Infektionen Gastro- enterologie Neurologie
Undifferenzierte Kollagenose/PMR/ Sjögren-Syndrom Hashimoto- Thyreoiditis Tumorfatigue

 

Chronische Hepatitiden CED, Zöliakie Reizdarm HWS-Spinalstenosen/ Instabilität
Fibromyalgie Endometriose Lyme-Borreliose Reizdarm- Syndrom Myasthenia gravis
M. Bechterew/

Psoriasisarthrits

PBC/PSC Multiple Sklerose

Chronische Erschöpfung können auch bei anderen Erkrankungen auftreten.

Häufigere Komorbiditäten

Immunologie

 

Rheumatologie

 

Autonome Dysfunktion Gastro-enterologie

 

Neurologie

 

Schlaf

 

Immunglobulin- mangel/ Infektneigung Fibromyalgie POTS/ Ruhetachykardie Reizdarm- Syndrom HWS-Instabilität/ Spinalstenosen Schlafapnoe
Mast Cell Aktivierungs Syndrom Ehlers-Danlos Syndrom Hypotension Nahrungsmittel -intoleranzen Small Fiber Neuropathien Restless Leg Syndrom
Schwere Allergien Sicca Symptome (Sjögren Syndrom ausschließen!) Migräne Hypersensitivität

Weitere Informationen zur Diagnose und Therapie:

Nacul L, Authier J, Scheibenbogen C et al. EUROPEAN ME NETWORK (EUROMENE) Expert Consensus on the Diagnosis, Service Provision and Care of People with ME/CFS in Europe. https://www.preprints.org/manuscript/202009.0688/v2

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